Blog · Referenzprojekte · Kunst und Metall
Die Stahlskulptur Serpentinata von Janine Rogen am Kunstweg Alpine Art am Muttersberg

Serpentinata: eine Spirale aus Stahl für den Muttersberg

Von der Idee der Künstlerin bis zum Sondertransport auf 1.300 Meter. Wie bei VMZ aus einem Entwurf ein Kunstwerk wurde, das jetzt am Berg steht.

VMZ Maschinenbau u. Laserbearbeitung · Referenzprojekt · Lesezeit ca. 5 Minuten

Kunst und Metallbearbeitung haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick denkt. Beide leben davon, dass am Ende exakt das dasteht, was am Anfang gedacht war. Für die Vorarlberger Bildhauerin Janine Rogen durfte VMZ genau diesen Teil übernehmen: die Fertigung ihrer Skulptur Serpentinata, die seit Oktober 2025 den Kunstweg Alpine Art am Muttersberg oberhalb von Bludenz bereichert.

Für uns war das kein Auftrag wie jeder andere. Eine Skulptur hat keine Stückliste mit Toleranzfeldern und keine Norm, die sagt, wann eine Kurve stimmt. Sie hat eine Künstlerin, die genau weiß, wie ihre Form wirken soll. Unsere Aufgabe: diese Form in Stahl übersetzen, ohne dass unterwegs etwas von ihrer Spannung verloren geht.

AUF EINEN BLICK

Das Projekt Serpentinata

  • Werk: Serpentinata, eine spiralförmige Wand aus Stahl
  • Künstlerin: Janine Rogen, freischaffende Bildhauerin aus Vorarlberg
  • Standort: Kunstwanderweg Alpine Art am Muttersberg, Bludenz
  • Eröffnung: 2. Oktober 2025, gemeinsam mit einer Arbeit von WolfGeorg
  • Leistung von VMZ: Planung, Umformen, Schweißen, Endkontrolle und Transportvorbereitung
  • Oberfläche: unbeschichtet, die Patina entsteht draußen am Berg

Aus dem Entwurf wird eine Fertigungsdatei

Am Anfang steht kein Blech, sondern ein Gespräch. Janine Rogen kommt aus der Holzbildhauerei, sie denkt in Volumen und Übergängen, nicht in Biegeradien. Also haben wir gemeinsam übersetzt: Wo darf eine Kante sichtbar bleiben, wo muss der Übergang fließend wirken, wie viele Segmente verträgt die Spirale, bevor sie ihre Ruhe verliert.

Genau dafür gibt es bei VMZ die Planung und Beratung als eigene Leistung. Unsere CAD-Planung sitzt direkt neben dem Maschinenpark. Das klingt banal, spart aber bei Sonderformen die teuerste Sorte Fehler: die, die erst auffallen, wenn das Teil schon gebogen ist. Toleranzen, Segmentteilung und Nahtlage werden festgelegt, bevor die erste Maschine läuft.

Planung der Skulptur Serpentinata bei VMZ in Ludesch

Planung: Der Entwurf der Künstlerin wird in eine fertigbare Geometrie übersetzt.

Die Spirale entsteht: Biegen und Walzen

Eine spiralförmige Wand ist fertigungstechnisch das Gegenteil eines Blechkastens. Es gibt keine ebene Bezugsfläche, an der man sich festhalten kann, und jeder Abschnitt hat seinen eigenen Radius. Gearbeitet wird deshalb mit Rundbiegen statt mit Abkanten: Das Blech läuft durch die Walzen, bis die Krümmung sitzt, und wird zwischendurch immer wieder an der Lehre kontrolliert.

Der Maschinenpark gibt dafür den Rahmen vor. Unsere CNC-gesteuerte 4-Walzen-Rundbiegemaschine MG MH 3014 C arbeitet bis 3.100 mm Arbeitsbreite und bis 15 mm Blechstärke, zylindrisch wie konisch. Für Flach- und Profilteile kommt die EUROMAC Digibend 800 dazu, 80 t Presskraft, Genauigkeit plus/minus 0,10 mm. Bei einer Skulptur ist diese Genauigkeit kein Selbstzweck: Wenn die Segmente später ohne Zwang zusammenpassen sollen, muss jeder Radius reproduzierbar sein.

Biegen des Stahlblechs für die Skulptur Serpentinata in der VMZ Werkstatt

Umformen: Jeder Abschnitt der Spirale bekommt seinen eigenen Radius.

Schweißen: jede Naht ist Teil der Oberfläche

Bei einem Maschinengestell darf eine Naht funktional sein. Bei einer Skulptur ist sie Teil des Werks, weil sie später jeder sieht, aus zwei Metern Abstand und bei Gegenlicht. Geschweißt wurde deshalb von Hand: MIG/MAG für die tragenden Verbindungen, WIG dort, wo das Nahtbild ruhig bleiben muss. Die Sichtprüfung der Nahtgüte erfolgt nach EN ISO 5817, die Wärmeeinbringung wird über die Streckenenergie kontrolliert, damit die dünnen Bereiche der Spirale nicht verziehen.

Für Serien setzen wir sonst gern den Cobot WeldSpace 4.0 mit einer Wiederholgenauigkeit unter 0,1 mm ein. Bei einem Unikat wie Serpentinata gewinnt die Hand: Jede Naht wird dort gesetzt, wo die Form sie verträgt, und nicht dort, wo ein Programm sie erwartet.

Schweißen der Stahlsegmente für die Skulptur Serpentinata bei VMZ

Schweißen: MIG/MAG und WIG, Nahtbild als Teil der Oberfläche.

Zusammenführen und Endkontrolle

Beim Zusammenführen der Segmente zeigt sich, ob die Vorarbeit gestimmt hat. Passt die Spirale spannungsfrei zusammen, war die Teilung richtig. Muss man ziehen, drücken oder nachhelfen, rächt sich das später als Verzug oder als Riss in der Oberfläche. Kontrolliert wird gegen Lehre und Aufriss, dazu kommt die Sichtprüfung der Nähte. Und bei einem Kunstprojekt der Blick, den ohnehin keine Messtechnik ersetzt: der der Künstlerin selbst.

Station Verfahren bei VMZ Kapazität laut Maschinenpark
Planung Direkte Brücke von der CAD-Software zum Maschinenpark
Zuschnitt Bleche bis 6.000 x 2.000 mm, Positioniergenauigkeit plus/minus 0,1 mm
Umformen MG MH 3014 C: Arbeitsbreite 3.100 mm, Blechstärke bis 15 mm
Biegen EUROMAC Digibend 800: 80 t, Genauigkeit plus/minus 0,10 mm
Fügen Nahtgüte nach EN ISO 5817, Verfahren nach EN ISO 15614
Kontrolle Nahtprüfung nach EN ISO 5817, Einzelstück bis Kleinserie
Zusammenführen der einzelnen Segmente der Skulptur Serpentinata

Zusammenführen: Passt die Spirale spannungsfrei, war die Segmentteilung richtig.

Wenn Kunst auf echtes Handwerk trifft. VMZ Maschinenbau u. Laserbearbeitung

Vom Hallentor auf 1.300 Meter

Ein Kunstwerk, das fertig in der Halle steht, ist erst die halbe Miete. Der Kunstweg Alpine Art liegt zwischen 1.273 und 1.391 Meter Seehöhe, erreichbar über die Muttersbergbahn. Transport und Montage wurden deshalb schon in der Planung mitgedacht: Wie viele Teile, welche Hebepunkte, welche Verpackung, damit unterwegs nichts verkratzt, was später niemand mehr wegpolieren kann.

Genau an dieser Stelle zahlt sich die Produktionstiefe aus. Planung, Umformen, Schweißen, Kontrolle und Versandvorbereitung liegen bei VMZ unter einem Dach. Es gibt keine Schnittstelle, an der jemand sagt, dafür sei er nicht zuständig.

Transport der Skulptur Serpentinata an den Muttersberg

Transport: Der Weg auf den Berg wird schon in der Planung mitgedacht.

Patina statt Lack

Die Oberfläche bleibt unbeschichtet. Serpentinata setzt bewusst auf die natürliche Patina, die sich am Berg über die Jahre einstellt: Wetter, Wind und Sonne arbeiten weiter am Werk, das Erscheinungsbild verändert sich mit jeder Saison. Für eine Skulptur in alpiner Landschaft ist das die ehrlichste Lösung, weil sie sich der Umgebung angleicht, statt gegen sie anzuglänzen.

Wer im Sommer oder Herbst am Muttersberg unterwegs ist, sollte den Rundweg mitnehmen. Rund drei Kilometer, etwa eine Stunde, acht Werke von Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern, und mittendrin ein Stück Stahl, das ein paar Wochen bei uns in Ludesch verbracht hat.

Fertigstellung der Skulptur Serpentinata bei VMZ in Ludesch

Fertigstellung: letzte Kontrolle, bevor das Werk die Halle verlässt.

Serpentinata von Janine Rogen am Kunstweg Alpine Art

Du hast ein Projekt, das nicht ins Raster passt?

Ob Skulptur, Sonderkonstruktion oder Bauteil nach CAD-Vorgabe: Bring uns deine Idee, wir sagen dir ehrlich, wie sie sich fertigen lässt. Beratung ab dem ersten Planungsstadium, Fertigung vom Einzelstück bis zur Kleinserie.

Jetzt Projekt besprechen

VMZ Maschinenbau u. Laserbearbeitung GmbH, Hängender Stein 4, 6713 Ludesch. Telefon +43 5550 20109, office@vmz.at

Häufige Fragen

Aus welchem Werkstoff besteht Serpentinata?
Die Oberfläche bleibt unbeschichtet und bildet am Berg eine natürliche Patina. Die genaue Werkstoffbezeichnung und die Blechstärke geben wir dir auf Anfrage direkt bekannt, geschätzte Werte veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.
Wie groß ist die Skulptur?
Die Abmessungen und das Gewicht liegen bei der Künstlerin und bei uns in den Projektunterlagen. Wenn du sie brauchst, etwa für einen Bericht oder eine ähnliche Anfrage, melde dich unter office@vmz.at und wir geben dir die belegten Werte.
Fertigt VMZ auch andere Kunst- und Sonderprojekte?
Ja. Wir fertigen vom Einzelstück bis zur Kleinserie, von einfachen Geometrien bis zu komplexen Freiformkonturen. Skulpturen, Objekte und Sonderkonstruktionen laufen bei uns über denselben Weg wie Industriebauteile: Planung, Zuschnitt, Umformen, Schweißen, Kontrolle.
Was braucht ihr von mir, damit ihr starten könnt?
Am liebsten CAD-Daten. Es geht aber auch mit Skizze, Modell oder Foto. Unsere Planung und Beratung setzt bewusst früh an, weil sich Fehlerquellen im Entwurf günstiger beheben lassen als im gebogenen Blech.
Wie kommt so ein Werk an seinen Standort?
Transport und Montage werden bei Sonderprojekten von Anfang an mitgeplant: Teilung, Hebepunkte, Verpackung. Der Standard bei VMZ ist die Abholung in Ludesch, eine eigene Spedition betreiben wir nicht. Für Sondertransporte stimmen wir die Lösung gemeinsam ab.
Wo finde ich Serpentinata?
Am Kunstwanderweg Alpine Art am Muttersberg bei Bludenz. Start ist die Bergstation der Muttersbergbahn, der Rundweg ist leicht begehbar, rund drei Kilometer lang und liegt zwischen 1.273 und 1.391 Meter Seehöhe. Neben Serpentinata stehen dort sieben weitere Arbeiten.
Muss die Oberfläche gepflegt werden?
Die Patina ist gewollt und verändert sich mit den Jahreszeiten. Wie eine unbeschichtete Stahloberfläche in deinem konkreten Fall reagiert, hängt vom Werkstoff, vom Standort und von der gewünschten Optik ab. Das besprechen wir vor der Fertigung, nicht danach.
Referenzprojekt Kunst und Metall Biegen und Walzen Schweißen Muttersberg Bludenz Vorarlberg

Skulptur: Janine Rogen. Bilder: Bernhard Rogen und Peter Tschann.