Serpentinata: eine Spirale aus Stahl für den Muttersberg
Von der Idee der Künstlerin bis zum Sondertransport auf 1.300 Meter. Wie bei VMZ aus einem Entwurf ein Kunstwerk wurde, das jetzt am Berg steht.
Kunst und Metallbearbeitung haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick denkt. Beide leben davon, dass am Ende exakt das dasteht, was am Anfang gedacht war. Für die Vorarlberger Bildhauerin Janine Rogen durfte VMZ genau diesen Teil übernehmen: die Fertigung ihrer Skulptur Serpentinata, die seit Oktober 2025 den Kunstweg Alpine Art am Muttersberg oberhalb von Bludenz bereichert.
Für uns war das kein Auftrag wie jeder andere. Eine Skulptur hat keine Stückliste mit Toleranzfeldern und keine Norm, die sagt, wann eine Kurve stimmt. Sie hat eine Künstlerin, die genau weiß, wie ihre Form wirken soll. Unsere Aufgabe: diese Form in Stahl übersetzen, ohne dass unterwegs etwas von ihrer Spannung verloren geht.
Das Projekt Serpentinata
- Werk: Serpentinata, eine spiralförmige Wand aus Stahl
- Künstlerin: Janine Rogen, freischaffende Bildhauerin aus Vorarlberg
- Standort: Kunstwanderweg Alpine Art am Muttersberg, Bludenz
- Eröffnung: 2. Oktober 2025, gemeinsam mit einer Arbeit von WolfGeorg
- Leistung von VMZ: Planung, Umformen, Schweißen, Endkontrolle und Transportvorbereitung
- Oberfläche: unbeschichtet, die Patina entsteht draußen am Berg
Aus dem Entwurf wird eine Fertigungsdatei
Am Anfang steht kein Blech, sondern ein Gespräch. Janine Rogen kommt aus der Holzbildhauerei, sie denkt in Volumen und Übergängen, nicht in Biegeradien. Also haben wir gemeinsam übersetzt: Wo darf eine Kante sichtbar bleiben, wo muss der Übergang fließend wirken, wie viele Segmente verträgt die Spirale, bevor sie ihre Ruhe verliert.
Genau dafür gibt es bei VMZ die Planung und Beratung als eigene Leistung. Unsere CAD-Planung sitzt direkt neben dem Maschinenpark. Das klingt banal, spart aber bei Sonderformen die teuerste Sorte Fehler: die, die erst auffallen, wenn das Teil schon gebogen ist. Toleranzen, Segmentteilung und Nahtlage werden festgelegt, bevor die erste Maschine läuft.
Planung: Der Entwurf der Künstlerin wird in eine fertigbare Geometrie übersetzt.
Die Spirale entsteht: Biegen und Walzen
Eine spiralförmige Wand ist fertigungstechnisch das Gegenteil eines Blechkastens. Es gibt keine ebene Bezugsfläche, an der man sich festhalten kann, und jeder Abschnitt hat seinen eigenen Radius. Gearbeitet wird deshalb mit Rundbiegen statt mit Abkanten: Das Blech läuft durch die Walzen, bis die Krümmung sitzt, und wird zwischendurch immer wieder an der Lehre kontrolliert.
Der Maschinenpark gibt dafür den Rahmen vor. Unsere CNC-gesteuerte 4-Walzen-Rundbiegemaschine MG MH 3014 C arbeitet bis 3.100 mm Arbeitsbreite und bis 15 mm Blechstärke, zylindrisch wie konisch. Für Flach- und Profilteile kommt die EUROMAC Digibend 800 dazu, 80 t Presskraft, Genauigkeit plus/minus 0,10 mm. Bei einer Skulptur ist diese Genauigkeit kein Selbstzweck: Wenn die Segmente später ohne Zwang zusammenpassen sollen, muss jeder Radius reproduzierbar sein.
Umformen: Jeder Abschnitt der Spirale bekommt seinen eigenen Radius.
Schweißen: jede Naht ist Teil der Oberfläche
Bei einem Maschinengestell darf eine Naht funktional sein. Bei einer Skulptur ist sie Teil des Werks, weil sie später jeder sieht, aus zwei Metern Abstand und bei Gegenlicht. Geschweißt wurde deshalb von Hand: MIG/MAG für die tragenden Verbindungen, WIG dort, wo das Nahtbild ruhig bleiben muss. Die Sichtprüfung der Nahtgüte erfolgt nach EN ISO 5817, die Wärmeeinbringung wird über die Streckenenergie kontrolliert, damit die dünnen Bereiche der Spirale nicht verziehen.
Für Serien setzen wir sonst gern den Cobot WeldSpace 4.0 mit einer Wiederholgenauigkeit unter 0,1 mm ein. Bei einem Unikat wie Serpentinata gewinnt die Hand: Jede Naht wird dort gesetzt, wo die Form sie verträgt, und nicht dort, wo ein Programm sie erwartet.
Schweißen: MIG/MAG und WIG, Nahtbild als Teil der Oberfläche.
Zusammenführen und Endkontrolle
Beim Zusammenführen der Segmente zeigt sich, ob die Vorarbeit gestimmt hat. Passt die Spirale spannungsfrei zusammen, war die Teilung richtig. Muss man ziehen, drücken oder nachhelfen, rächt sich das später als Verzug oder als Riss in der Oberfläche. Kontrolliert wird gegen Lehre und Aufriss, dazu kommt die Sichtprüfung der Nähte. Und bei einem Kunstprojekt der Blick, den ohnehin keine Messtechnik ersetzt: der der Künstlerin selbst.
| Station | Verfahren bei VMZ | Kapazität laut Maschinenpark |
|---|---|---|
| Planung | CAD-Planung und Beratung | Direkte Brücke von der CAD-Software zum Maschinenpark |
| Zuschnitt | 2D-Laserschneiden | Bleche bis 6.000 x 2.000 mm, Positioniergenauigkeit plus/minus 0,1 mm |
| Umformen | 4-Walzen-Rundbiegen, CNC | MG MH 3014 C: Arbeitsbreite 3.100 mm, Blechstärke bis 15 mm |
| Biegen | Flach- und Profilbiegen | EUROMAC Digibend 800: 80 t, Genauigkeit plus/minus 0,10 mm |
| Fügen | MIG/MAG und WIG von Hand | Nahtgüte nach EN ISO 5817, Verfahren nach EN ISO 15614 |
| Kontrolle | Lehren, Aufriss und Sichtprüfung | Nahtprüfung nach EN ISO 5817, Einzelstück bis Kleinserie |
Zusammenführen: Passt die Spirale spannungsfrei, war die Segmentteilung richtig.
Vom Hallentor auf 1.300 Meter
Ein Kunstwerk, das fertig in der Halle steht, ist erst die halbe Miete. Der Kunstweg Alpine Art liegt zwischen 1.273 und 1.391 Meter Seehöhe, erreichbar über die Muttersbergbahn. Transport und Montage wurden deshalb schon in der Planung mitgedacht: Wie viele Teile, welche Hebepunkte, welche Verpackung, damit unterwegs nichts verkratzt, was später niemand mehr wegpolieren kann.
Genau an dieser Stelle zahlt sich die Produktionstiefe aus. Planung, Umformen, Schweißen, Kontrolle und Versandvorbereitung liegen bei VMZ unter einem Dach. Es gibt keine Schnittstelle, an der jemand sagt, dafür sei er nicht zuständig.
Transport: Der Weg auf den Berg wird schon in der Planung mitgedacht.
Patina statt Lack
Die Oberfläche bleibt unbeschichtet. Serpentinata setzt bewusst auf die natürliche Patina, die sich am Berg über die Jahre einstellt: Wetter, Wind und Sonne arbeiten weiter am Werk, das Erscheinungsbild verändert sich mit jeder Saison. Für eine Skulptur in alpiner Landschaft ist das die ehrlichste Lösung, weil sie sich der Umgebung angleicht, statt gegen sie anzuglänzen.
Wer im Sommer oder Herbst am Muttersberg unterwegs ist, sollte den Rundweg mitnehmen. Rund drei Kilometer, etwa eine Stunde, acht Werke von Vorarlberger Künstlerinnen und Künstlern, und mittendrin ein Stück Stahl, das ein paar Wochen bei uns in Ludesch verbracht hat.
Fertigstellung: letzte Kontrolle, bevor das Werk die Halle verlässt.
Du hast ein Projekt, das nicht ins Raster passt?
Ob Skulptur, Sonderkonstruktion oder Bauteil nach CAD-Vorgabe: Bring uns deine Idee, wir sagen dir ehrlich, wie sie sich fertigen lässt. Beratung ab dem ersten Planungsstadium, Fertigung vom Einzelstück bis zur Kleinserie.
Jetzt Projekt besprechen →VMZ Maschinenbau u. Laserbearbeitung GmbH, Hängender Stein 4, 6713 Ludesch. Telefon +43 5550 20109, office@vmz.at
Häufige Fragen
Aus welchem Werkstoff besteht Serpentinata?
Wie groß ist die Skulptur?
Fertigt VMZ auch andere Kunst- und Sonderprojekte?
Was braucht ihr von mir, damit ihr starten könnt?
Wie kommt so ein Werk an seinen Standort?
Wo finde ich Serpentinata?
Muss die Oberfläche gepflegt werden?
Skulptur: Janine Rogen. Bilder: Bernhard Rogen und Peter Tschann.


